Ein Frühlingstag und ein Herbsttag

Ich bin eigentlich kein lauter Mensch, vor allem nicht in der Öffentlichkeit. Aber in einem meiner vollkommenen Glücksmomente habe ich mir die Seele aus dem Leib geschrien.

Es ist jetzt nicht einmal ein Jahr her, da sind das Schaaf und ich zusammen Fahrrad gefahren . Eigentlich völlig unspektakulär, kein besonderer Anlass, keine besondere Strecke, kein besonderer Tag. Aber ich denke gerne an diesen Tag, besonders diesen Moment zurück. Die Zuckerrüben standen auf dem Feld, so ein richtig schönes grünes Meer in dem das Schaaf es schon immer liebte herumzustromern. Wenig überraschend war es auch nicht angeleint. Überhaupt war die Leine bei uns bestenfalls nur Schmuckstück und das Halsband nur Beruhigung der Öffentlichkeit. Jedenfalls fuhren wir so vor uns hin, als das Schaaf die pure Lebensfreude packte. Es gab Gas und raste wie ein Wahnsinniger durch das Zuckerrübenfeld. Mit breitem Lachen im Gesicht und mit allem was es konnte. Und ich, auf dem Rad, auf dem Weg, gab auch Gas. Gemeinsam düsten wir durch die Landschaft und ich schrie aus voller Lunge „Lauf, B***, lauf!“ Es war, als würden wir uns gemeinsam über eine Sommerwiese wälzen und lachen und jubeln. Ein wunderbarer Augenblick, den ich nie vergessen werde.

Das Leben schenkt uns so wunderbare Zeiten. Und wenn wir sie auskosten, würdigen und schätzen, macht uns das reich. Und hilft uns über die schweren Zeiten, die uns das Leben auch beschert. Gar nicht lang nach unserem gemeinsamen Glücksmoment, noch im selben Jahr, gingen wir gemeinsam durch unsere schwerste Zeit. Ich vermisse meinen Freund! Ich vermisse ihn so unglaublich, dass mir das Herz bricht. Immer wieder drehen sich die Gedanken. Warum musste er gehen, warum konnten ihm die Ärzte nicht helfen, was hätte ich tun können? Wie es sein kann, dass er nicht mehr da ist? Wie konnte das passieren? Warum? Und dann bin ich wieder fassungslos und kann und will nicht begreifen, dass kein Bitten, Flehen, Verhandeln, Wüten, Weinen, Verzweifeln oder Hoffen ihn mir zurückbringt. Und ich wache auch nicht auf, gehe zu ihm und hole mir Trost ob des bitterbösen Albtraums. Wo auch immer er ist, er ist vorausgegangen und wartet mit unseren anderen Lieben auf uns.

Mein lieber vierbeiniger Freund, ich liebe dich und bin dir von Herzen und unendlich dankbar für unsere gemeinsame Zeit und dafür, dass du du warst! Genau so und nicht anders, bis zur letzten Fellspitze. Ungezählte schöne und erfüllende gemeinsame Augenblicke und Zeiten haben wir erlebt, Abenteuer bestanden, Herausforderungen gemeistert. Tiefes Vertrauen, vollendete Freundschaft und ehrliche Gefühle verbinden uns ewig. Wir sitzen für immer gemeinsam auf einer Bank, ich lege meine Arm um dich, du schmiegst dich an mich und wir sind gemeinsam glücklich, einfach so.

 

In memoriam an das Schaaf, Aeb, Outat, Sseleman, Oottat, Inneb, Spif, Yknap, Bokaj, Spif, Loreb und Uhcsim. Ihr alle habe euren einzigartigen Platz in unserem Herzen, werdet auf ewig geliebt und und werdet uns begleiten, bis wir uns endlich wiedersehen. Ihr seid unsere hellsten Sterne am Himmel!